GPS & Ortung: Woher weiß das Handy eigentlich ganz genau, wo wir sind?


Stell dir vor, du bist mitten in einer riesigen Stadt, die du nicht kennst. Oder noch schlimmer: Du stehst in einem dichten Wald und hast keine Ahnung, in welche Richtung du gehen musst. Früher mussten Menschen riesige Papierkarten auffalten, den Sonnenstand prüfen oder nach Moos an Bäumen suchen, um sich zu orientieren. Heute greifst du einfach in deine Hosentasche, holst dein Smartphone heraus, öffnest eine App wie Google Maps, und zack – ein kleiner blauer Punkt zeigt dir exakt, wo du stehst.

Das wirkt fast wie Magie, oder? Egal, ob du Pokémon GO spielst, den Weg zur nächsten Eisdiele suchst oder deine Eltern schauen, wo du gerade steckst: Dein Handy weiß Bescheid. Aber woher eigentlich? Sitzt da ein kleiner Zwerg im Gehäuse, der aus dem Fenster schaut? Natürlich nicht. Dahinter steckt eine absolut faszinierende Technik, die sich GPS nennt. Das steht für "Global Positioning System".

In diesem Artikel tauchen wir tief in die Welt der Satelliten, Signale und unsichtbaren Datenströme ein. Wir klären, wie diese Technik funktioniert, warum sie manchmal spinnt und was das alles mit Mathe (ja, Mathe!) zu tun hat. Mach dich bereit für eine Reise in den Weltraum und zurück auf dein Display.

Der Blick aus dem Weltall: Deine unsichtbaren Begleiter

Um zu verstehen, wie dein Handy seinen Standort bestimmt, müssen wir erst einmal nach oben schauen. Sehr weit nach oben. Etwa 20.000 Kilometer über deinem Kopf kreisen nämlich spezielle Satelliten um die Erde. Das sind fliegende Computer, die ungefähr so groß sind wie ein Auto und ziemlich schwer.

Diese Satelliten machen den ganzen Tag nichts anderes, als Signale zur Erde zu senden. Stell dir vor, jeder dieser Satelliten ist wie ein Radiosender, der ununterbrochen ruft: "Ich bin Satellit Nummer 5, es ist jetzt genau 14 Uhr, 30 Minuten und 5 Sekunden, und ich befinde mich genau an dieser Position im Weltall!"

Dein Smartphone ist in diesem Fall das Radio. Es empfängt diese Nachrichten. Aber ein einziger Satellit reicht nicht aus. Wenn dein Handy nur einen Satelliten "hört", weiß es nur: "Aha, ich bin irgendwo in einem bestimmten Abstand zu diesem Satelliten." Das könnte überall auf einem riesigen Kreis auf der Erdoberfläche sein. Das hilft dir im Wald nicht weiter.

Deshalb braucht dein Handy mindestens drei, besser vier Satelliten gleichzeitig, um deine Position zu berechnen. Das Prinzip nennt man Triangulation (oder genauer: Trilateration, aber das ist ein schweres Wort).

Das Leuchtturm-Beispiel

Stell dir vor, du bist auf einem Schiff im Nebel (das ist dein Handy). Du siehst nichts.

  1. Plötzlich hörst du das Nebelhorn eines Leuchtturms. Du weißt, dieser Leuchtturm steht im Norden und das Geräusch braucht 5 Sekunden zu dir. Du weißt nun: "Ich bin 1,5 Kilometer von Leuchtturm Nord entfernt." Du könntest aber überall um den Turm herum sein.

  2. Dann hörst du einen zweiten Leuchtturm aus dem Osten. Jetzt gibt es nur noch zwei mögliche Punkte, an denen sich die Kreise um die Leuchttürme schneiden.

  3. Sobald du einen dritten Leuchtturm hörst, gibt es nur noch einen einzigen Punkt, an dem sich alle drei Abstände überschneiden. Genau da bist du!

Genauso macht es dein Handy mit den GPS-Satelliten. Es misst, wie lange das Signal vom Weltall bis zu dir gebraucht hat. Da die Signale mit Lichtgeschwindigkeit reisen (das ist unfassbar schnell!), muss die Zeitmessung extrem präzise sein. Wir reden hier von Millionstel Sekunden! Dein Handy rechnet dann blitzschnell aus: "Aha, Satellit A ist so weit weg, Satellit B so weit und Satellit C so weit. Ich muss also genau HIER sein."

Wie genau sind GPS-Koordinaten mit dem Handy?

Jetzt wissen wir, wie es grundsätzlich funktioniert. Aber hast du schon mal bemerkt, dass der blaue Punkt auf der Karte manchmal springt oder einen großen hellblauen Kreis um sich hat? Das bringt uns zu der Frage, wie exakt diese Technik wirklich ist.

Theoretisch ist das GPS-System, das ursprünglich vom amerikanischen Militär erfunden wurde, extrem genau. Moderne Profi-Geräte können Standorte auf wenige Zentimeter genau bestimmen. Dein Smartphone ist allerdings ein Alltagsgegenstand und kein militärisches Präzisionsinstrument.

Im Normalfall, also wenn du draußen unter freiem Himmel stehst, liegt die Genauigkeit deines Handys bei etwa 3 bis 5 Metern. Das ist ziemlich gut! Es reicht völlig aus, um zu wissen, auf welcher Straßenseite du stehst oder wo der Eingang zum Park ist.

Aber es gibt Störfaktoren. Erinnerst du dich, dass das Signal vom Weltraum zu dir reisen muss? Auf diesem Weg kann viel passieren:

  • Die Atmosphäre: Die Luftschichten um die Erde können das Signal bremsen oder ablenken. Das verwirrt die Berechnung der Zeit ein wenig.

  • Häuserschluchten (Urban Canyons): In großen Städten mit Wolkenkratzern passiert etwas, das man "Multipath-Effekt" nennt. Das Signal prallt von einer Glasfassade ab, bevor es dein Handy trifft. Dein Handy denkt, das Signal war länger unterwegs und berechnet den Abstand falsch. Plötzlich zeigt Google Maps an, dass du im Gebäude stehst oder auf der Nachbarstraße.

  • Wetter und Bäume: Dichter Wald oder extrem schlechtes Wetter können das Signal ebenfalls abschwächen, auch wenn das bei modernen Handys kaum noch ein Problem ist.

  • Drinnen sein: In Gebäuden dringen die Satellitensignale kaum durch dicke Betonwände. Deshalb funktioniert reines GPS im Keller fast gar nicht.

Um diese Ungenauigkeiten auszugleichen, verlässt sich dein Handy heutzutage nicht mehr nur auf die amerikanischen GPS-Satelliten. Es nutzt auch das europäische System "Galileo", das russische "GLONASS" und das chinesische "BeiDou". Je mehr Satelliten dein Handy "sieht", desto genauer wird der blaue Punkt.

Wie genau lässt sich ein Handy orten?

Wir haben gerade über GPS gesprochen, aber dein Smartphone ist ein echter Schlauberger. Es nutzt nämlich nicht nur Satelliten. Wenn du dein Handy einschaltest und sofort einen Standort hast, liegt das an einer Technik namens "Assisted GPS" (A-GPS) und weiteren Tricks. Das Handy kombiniert verschiedene Methoden, um dich so schnell und präzise wie möglich zu finden.

Schauen wir uns diese Methoden genauer an:

1. WLAN-Ortung (Wi-Fi): Das ist oft genauer als GPS, besonders in Städten und in Gebäuden! Dein Handy scannt ständig nach WLAN-Netzwerken in der Nähe. Google und Apple haben riesige Datenbanken, in denen gespeichert ist, wo welche WLAN-Router stehen. Wenn dein Handy "WLAN Müller" und "Gast-WLAN Bäckerei" sieht, weiß es sofort: "Ich muss in der Bahnhofstraße 5 sein", weil diese Router dort bekannt sind. Das funktioniert sogar, wenn du dich gar nicht in das WLAN einloggst. Es reicht, dass dein Handy das Signal empfängt.

2. Mobilfunkmasten (Triangulation über Funkzellen): Dein Handy ist immer mit einem Mobilfunkmast verbunden, um telefonieren zu können. Jeder Mast deckt einen bestimmten Bereich ab (eine Zelle). Wenn dein Handy von drei Masten gleichzeitig Signale empfängt, kann man den Standort berechnen – ähnlich wie bei den Satelliten, aber viel ungenauer. Diese Methode ist super schnell, bringt dich aber oft nur auf 100 bis 500 Meter genau an dein Ziel. Es ist eher eine grobe Schätzung, hilft dem Handy aber, schneller die richtigen Satelliten am Himmel zu finden.

3. Sensoren im Handy: Moderne Smartphones nutzen auch den Kompass, das Gyroskop (das erkennt Drehungen) und den Beschleunigungssensor. Wenn du in einen Tunnel fährst und das GPS-Signal weg ist, rät dein Handy anhand deiner Geschwindigkeit und Richtung, wo du gerade sein müsstest.

Zusammenfassung der Genauigkeit:

  • Nur Mobilfunk: Ungenau (mehrere hundert Meter).

  • Nur GPS: Gut (5 bis 10 Meter), dauert aber manchmal lange für den ersten "Fix".

  • Mix aus GPS + WLAN + Mobilfunk: Sehr genau und sehr schnell (oft 2 bis 3 Meter).

Wenn dich also jemand (z.B. die Polizei oder der Rettungsdienst im Notfall) orten muss, nutzen sie diesen Mix. Im Notfall können Rettungsleitstellen heute oft auf die sogenannte AML-Technik (Advanced Mobile Location) zugreifen, die beim Wählen der Notrufnummer automatisch die genauen GPS- und WLAN-Daten sendet.

Kann jemand meinen Standort sehen, wenn er meine Telefonnummer hat?

Das ist eine Frage, die vielen Kindern (und auch Erwachsenen!) Sorgen bereitet. Es klingt wie in einem Spionagefilm: Jemand tippt deine Nummer in einen Computer ein, und auf einer Weltkarte blinkt ein rotes Licht an deinem Standort auf. Aber funktioniert das wirklich so einfach?

Die kurze Antwort ist: Nein, für normale Privatpersonen ist das nicht möglich.

Nur weil jemand deine Handynummer hat, kann er nicht per GPS sehen, wo du bist. Die Nummer ist erst einmal nur wie eine Adresse, um dich anzurufen. Die GPS-Daten gehören dir und bleiben auf deinem Handy, es sei denn, du sendest sie aktiv weg.

Es gibt jedoch Ausnahmen und wichtige Dinge, die du wissen musst:

1. Die "Wo ist?"-Apps und Live-Standorte: Du kannst deinen Standort freiwillig teilen. Über WhatsApp kannst du zum Beispiel deinen "Live-Standort" an einen Freund schicken. Dann sieht dieser Freund genau, wo du bist – aber nur für die Zeit, die du eingestellt hast (z.B. eine Stunde). Auch über Apps wie "Snapchat" (Snap Map) können Freunde sehen, wo du bist, wenn du es erlaubt hast. Hier musst du sehr vorsichtig sein: Willst du wirklich, dass alle deine Kontakte wissen, wo du wohnst oder zur Schule gehst?

2. Polizei und Notfälle: Die Polizei und Mobilfunkanbieter können ein Handy orten, aber nur, wenn es einen richterlichen Beschluss gibt (z.B. bei einem Verbrechen) oder bei "Gefahr im Verzug" (wenn jemand vermisst wird und in Gefahr schwebt). Das geschieht dann meist über die Funkmasten-Ortung. Das darf aber kein normaler Mensch.

3. Spionage-Apps (Stalkerware): Es gibt illegale Apps, die heimlich auf Handys installiert werden können, um den Standort zu senden. Das passiert aber nicht "einfach so" über die Telefonnummer. Jemand müsste dein Handy physisch in der Hand haben, das Passwort kennen und diese App installieren. Deshalb: Gib dein Handy und deine Passwörter niemals an Leute weiter, denen du nicht zu 100% vertraust!

4. Eltern-Apps (Family Link etc.): Viele Eltern nutzen Apps wie Google Family Link oder Apple "Wo ist?", um zu sehen, wo ihre Kinder sind. Das funktioniert aber nicht über die Handynummer allein, sondern über das Google- oder Apple-Konto, das auf dem Handy eingerichtet ist. Das ist eine vereinbarte Sicherheitseinstellung innerhalb der Familie.

Fazit zur Sicherheit: Deine Handynummer ist kein GPS-Sender für Fremde. Aber Apps, die du installierst, fragen oft nach deinem Standort. Überlege immer gut: Muss diese Taschenlampen-App wirklich wissen, wo ich bin? Wahrscheinlich nicht. Du kannst in den Einstellungen deines Handys genau festlegen, welche App deinen Standort sehen darf und welche nicht. Datenschutz ist wichtig – sei also geizig mit deinen Standortdaten!

Ein Blick in die Zukunft der Ortung

Die Technik bleibt nicht stehen. Die neuesten Satellitensysteme werden immer genauer. Forscher arbeiten an Systemen, die in Zukunft vielleicht sogar auf wenige Zentimeter genau sind – und das auch in Innenräumen. Vielleicht navigierst du bald im Supermarkt direkt zum Regal mit deinen Lieblingschips, ohne suchen zu müssen.

Auch das "Internet der Dinge" spielt eine Rolle. In Zukunft werden Autos, Fahrräder und sogar Hundehalsbänder vernetzt sein und ihre Position kennen. Das macht vieles einfacher (nie wieder den Schlüssel suchen!), erfordert aber auch, dass wir alle lernen, verantwortungsvoll mit diesen Daten umzugehen.

GPS und Ortung sind geniale Erfindungen. Sie helfen Flugzeugen, sicher zu landen, Schiffen, den Hafen zu finden, und dir, den schnellsten Weg zu deinen Freunden zu entdecken. Wenn du das nächste Mal auf den blauen Punkt starrst, denk daran: Du schaust gerade live auf das Ergebnis einer Unterhaltung zwischen deinem Handy und einem Roboter im Weltraum. Ziemlich cool, oder?


FAQ: Häufige Fragen zum Thema GPS & Ortung

1. Kostet GPS Geld? Nein, die Nutzung des GPS-Signals der Satelliten ist völlig kostenlos. Die Satelliten werden von Staaten (wie den USA oder den Ländern der EU) finanziert und stellen das Signal für alle zur Verfügung. Allerdings: Wenn du Karten-Apps wie Google Maps nutzt, verbraucht dein Handy mobile Daten (Internet), um die Kartenbilder zu laden. Das kann Geld kosten oder dein Datenvolumen verbrauchen. Das GPS-Signal selbst ist aber gratis.

2. Funktioniert GPS auch im Flugzeugmodus? Ja und nein. Der Flugzeugmodus schaltet erst einmal alle Funkverbindungen ab (Mobilfunk, WLAN, Bluetooth, GPS). Bei den meisten modernen Handys kannst du GPS (oder "Standortdienste") aber wieder einschalten, während der Flugzeugmodus für Telefonate an bleibt. Da GPS nur Signale empfängt und nicht sendet, ist es im Flugzeug meist erlaubt. Du kannst also im Flieger am Fenster sitzen und sehen, wo ihr gerade fliegt – wenn du die Karte vorher heruntergeladen hast (Offline-Karten).

3. Warum ist mein Akku so schnell leer, wenn ich navigiere? GPS-Ortung ist Schwerstarbeit für dein Handy. Der Prozessor muss ständig komplizierte Mathe-Aufgaben lösen (Triangulation), der Bildschirm ist dauerhaft an, und oft werden gleichzeitig Daten aus dem Internet geladen. Das alles verbraucht sehr viel Energie. Wenn du eine lange Wanderung machst und dein Handy zur Orientierung nutzt, nimm am besten eine Powerbank mit!

4. Was passiert, wenn die GPS-Satelliten ausfallen? Das wäre ein riesiges Problem! Nicht nur dein Google Maps würde ausfallen. Auch Schiffe, Flugzeuge, Banken (die nutzen die exakte Uhrzeit der Satelliten für Überweisungen) und Stromnetze verlassen sich auf GPS. Zum Glück gibt es viele Ersatz-Satelliten und verschiedene Systeme (wie das europäische Galileo), sodass ein totaler Ausfall sehr unwahrscheinlich ist.

5. Kann ich mich vor Ortung verstecken? Wenn du nicht geortet werden willst, kannst du die "Standortdienste" in den Einstellungen deines Handys komplett ausschalten. Dann empfängt dein Handy keine GPS-Signale mehr. Allerdings weiß dein Mobilfunkanbieter immer noch ungefähr, in welcher Funkzelle du bist, solange das Handy im Netz eingewählt ist. Wirklich "unsichtbar" bist du nur, wenn du das Handy ausschaltest oder in den Flugzeugmodus versetzt.







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