Wer war Jakob Fugger? Das Vermächtnis des reichsten Mannes seiner Zeit
Stell dir vor, du hättest so viel Taschengeld, dass du dir nicht nur jedes Videospiel der Welt kaufen könntest, sondern gleich die ganze Firma, die die Spiele herstellt. Und stell dir vor, selbst Könige und Kaiser müssten dich anrufen, wenn sie Geld für eine Party oder einen Krieg bräuchten. Klingt wie ein Märchen? Ist es aber nicht. Genau so einen Mann gab es wirklich. Sein Name war Jakob Fugger.
Vielleicht hast du den Namen schon einmal im Geschichtsunterricht gehört oder warst sogar schon einmal in der Stadt Augsburg. Dort ist der Name "Fugger" nämlich an fast jeder Ecke zu finden. Jakob Fugger lebte vor über 500 Jahren, im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Er war ein Kaufmann, ein Bankier und ein echter Super-Unternehmer. Manche Experten sagen heute sogar, dass er – umgerechnet auf die heutige Zeit – der reichste Mensch war, der jemals gelebt hat. Reicher als Bill Gates, Jeff Bezos oder Elon Musk.
Aber wie schafft man das? Wie wird man vom Sohn einer Tuchmacher-Familie zum "Kaiser-Macher"? Und warum sprechen wir heute, ein halbes Jahrtausend später, immer noch über ihn? In diesem Artikel tauchen wir gemeinsam in die spannende Welt des 15. und 16. Jahrhunderts ein. Wir schauen uns an, wie Jakob sein Geld verdient hat, was er Gutes für die Armen getan hat und was von seinem riesigen Imperium heute noch übrig ist. Schnall dich an, wir reisen zurück in die Zeit der Ritter, Entdecker und Pfeffersäcke!
Der Start: Keine Lust auf Kirche, lieber Lust auf Geld
Jakob Fugger wurde am 6. März 1459 in Augsburg geboren. Augsburg war damals eine sehr wichtige und reiche Stadt, ein echtes Zentrum für den Handel in Europa. Jakob war nicht das einzige Kind – er war das zehnte von elf Kindern!
Im Mittelalter war es oft so, dass der älteste Sohn das Geschäft des Vaters übernahm. Die jüngeren Söhne wurden oft Priester oder Mönche. Das war auch der Plan für Jakob. Er sollte eigentlich eine Karriere in der Kirche machen. Aber Jakob hatte einen anderen Kopf. Er merkte schnell, dass das ruhige Leben im Kloster nichts für ihn war. Er wollte handeln, rechnen und die Welt sehen.
Als sein Vater starb, entschied seine Mutter, eine sehr kluge Geschäftsfrau, dass Jakob doch Kaufmann werden durfte. Sie schickte ihn nach Venedig. Venedig in Italien war damals so etwas wie das New York oder das Silicon Valley von heute. Es war der Ort, an dem die besten Händler der Welt saßen. Dort lernte der junge Jakob alles, was er wissen musste: Wie man Preise verhandelt, welche Waren wertvoll sind und – das war das Wichtigste – wie man richtig Buch führt. Er lernte die sogenannte "Doppelte Buchführung". Das klingt langweilig, war aber damals eine revolutionäre Technik, um genau zu sehen, wie viel Gewinn oder Verlust man macht. Mit diesem Wissen kehrte er nach Augsburg zurück und war bereit, die Welt zu erobern.
Was hat Jakob Fugger gemacht?
Nun fragst du dich sicher: Womit genau hat er denn nun diese unfassbaren Summen verdient? Hat er Lotto gespielt? Nein, Jakob Fugger hat hart gearbeitet und war extrem schlau – und manchmal auch ziemlich rücksichtslos.
Zu Beginn handelte die Familie Fugger vor allem mit Stoffen (Baumwolle und Barchent). Das war ein solides Geschäft, aber damit wurde man nicht unermesslich reich. Jakob erkannte, dass die wirklichen Gewinne woanders lagen. Er stieg in den Handel mit Gewürzen ein. Pfeffer war damals fast so wertvoll wie Gold! Aber sein wirklicher Durchbruch kam mit etwas anderem: Metallen.
Das Geschäft mit dem Silber und Kupfer
Jakob Fugger verstand etwas, das viele andere nicht verstanden: Wer Kriege führen oder prunkvolle Schlösser bauen will, braucht Geld. Und wer brauchte damals am meisten Geld? Die Herrscher, also Herzöge, Könige und Kaiser. Einer seiner besten "Kunden" war Erzherzog Sigmund von Tirol. Der hatte zwar riesige Ländereien, in denen Silber und Kupfer im Boden lagen, aber er hatte nie Bargeld, weil er viel zu viel ausgab.
Jakob Fugger machte ihm einen Vorschlag: "Ich leihe dir das Geld, das du jetzt sofort brauchst. Dafür gehören mir aber für eine bestimmte Zeit alle Einnahmen aus deinen Silberbergwerken." Das war der Deal seines Lebens. Jakob kontrollierte plötzlich den Handel mit Silber und Kupfer in großen Teilen Europas. Kupfer war damals extrem wichtig, weil man daraus Kanonen und Waffen, aber auch Töpfe und Dächer herstellte.
Er schaffte es, fast ein "Monopol" aufzubauen. Ein Monopol bedeutet, dass man der Einzige ist, der eine bestimmte Ware verkauft. Wenn du der Einzige bist, der Kupfer hat, kannst du den Preis bestimmen. Und genau das tat Jakob. Er diktierte die Preise und der Gewinn sprudelte nur so in seine Taschen.
Der Bankier der Kaiser
Sein Reichtum wurde so groß, dass er sich Dinge trauen konnte, die für andere lebensgefährlich gewesen wären. Er finanzierte Kaiser Maximilian I. und später dessen Enkel, Kaiser Karl V. Es gibt eine berühmte Geschichte über die Wahl von Karl V. zum Kaiser. Damals wurde der Kaiser gewählt (von den sogenannten Kurfürsten). Diese Kurfürsten wollten aber bestochen werden, um ihre Stimme abzugeben. Karl hatte kein Geld, aber er hatte Jakob Fugger. Jakob lieh ihm eine gigantische Summe (über 500.000 Gulden – heute wären das viele Millionen), damit Karl die Wahl gewinnen konnte.
Später schrieb Jakob dem mächtigsten Kaiser der Welt sogar einen Brief, in dem ganz frech stand: "Es ist bekannt, dass Eure Majestät ohne meine Hilfe nicht Kaiser geworden wäre." Stell dir vor, du schreibst so etwas dem Präsidenten! Jakob konnte sich das erlauben, denn ohne sein Geld lief im Heiligen Römischen Reich gar nichts.
Das Nachrichten-Netzwerk
Ein weiteres Geheimnis seines Erfolgs war Information. Es gab damals kein Internet und keine Telefone. Aber Jakob Fugger hatte sein eigenes Nachrichten-System aufgebaut. Seine Boten waren auf den schnellsten Pferden in ganz Europa unterwegs. Wenn in Spanien ein Schiff unterging oder in Ungarn ein König starb, wusste Jakob Fugger das oft Tage oder Wochen vor allen anderen.
Wissen ist Macht – und Wissen ist Geld. Wenn er wusste, dass eine Lieferung Pfeffer ausbleibt, konnte er seine Preise erhöhen, noch bevor die Konkurrenz überhaupt wusste, was los war. Man kann sagen, er hatte den ersten privaten Nachrichtendienst der Welt.
Die Fuggerei: Ein Zuhause für die Armen
Jakob Fugger war ein knallharter Geschäftsmann. Er wollte immer gewinnen. Aber er war auch ein sehr gläubiger Mensch. Im Mittelalter hatten die Menschen große Angst vor dem Fegefeuer und der Hölle nach dem Tod. Man glaubte, dass man sich durch gute Taten "freikaufen" konnte. Auch deshalb gründete Jakob Fugger etwas, das bis heute einzigartig auf der Welt ist: Die Fuggerei.
Im Jahr 1521 stiftete er die Fuggerei in Augsburg. Das ist eine kleine "Stadt in der Stadt". Sie besteht aus mehreren Gassen und kleinen Häusern. Sie gilt als die älteste Sozialsiedlung der Welt, die heute noch bewohnt wird.
Das Besondere daran ist die Miete. Jakob Fugger legte fest, dass die Bewohner pro Jahr genau einen Rheinischen Gulden Miete zahlen müssen. Und weißt du, was das Verrückte ist? Dieser Preis gilt noch heute! Umgerechnet sind das gerade mal 0,88 Euro (also 88 Cent) für die Kaltmiete – pro Jahr!
Dafür gibt es aber drei Bedingungen, die man erfüllen muss, um dort wohnen zu dürfen:
-
Man muss aus Augsburg kommen.
-
Man muss katholisch sein.
-
Man muss dreimal am Tag für das Seelenheil von Jakob Fugger und seiner Familie beten (ein Vaterunser, ein Glaubensbekenntnis und ein Ave Maria).
Jakob wollte damit sicherstellen, dass auch nach seinem Tod hunderte Menschen für ihn beten, damit er gut in den Himmel kommt. Für die armen Handwerker und Tagelöhner damals war die Fuggerei ein Segen. Sie hatten ein sicheres Dach über dem Kopf für fast kein Geld. Auch heute leben dort noch etwa 150 Menschen, die wenig Geld haben. Es ist ein wunderschöner, ruhiger Ort mit gelben Häusern und viel Efeu.
Ein Leben voller Risiko und Neid
Man darf nicht vergessen, dass Jakobs Leben nicht nur aus Goldzählen bestand. Er hatte viele Feinde. Viele Menschen, darunter auch berühmte Kirchenmänner wie Martin Luther, fanden es nicht gut, wie Jakob Geschäfte machte. Sie kritisierten den "Zins". Damals verbot die Kirche eigentlich, Zinsen zu nehmen (also Geld zu verleihen und mehr zurückzuverlangen). Jakob Fugger schaffte es aber, den Papst davon zu überzeugen, dass das in Ordnung sei – natürlich auch, weil die Kirche selbst Geld von ihm brauchte.
Er lebte auch gefährlich. Die Reisen im Mittelalter waren voller Räuber. Seine Warentransporte mussten schwer bewacht werden. Und wenn ein Schiff im Sturm versank, war ein Vermögen weg. Trotzdem blieb Jakob immer ruhig und kalkulierte kühl. Er hatte einen berühmten Leitspruch: "Ich will gewinnen, solange ich kann." An Rente dachte er nie. Er arbeitete bis zu seinem letzten Atemzug.
Was macht die Familie Fugger heute?
Jakob Fugger hatte keine eigenen Kinder. Das war für so einen reichen Mann ein großes Problem, denn wer sollte das riesige Erbe übernehmen? Er entschied sich für seine Neffen, vor allem für Anton Fugger. Anton führte das Geschäft nach Jakobs Tod weiter und machte die Familie sogar noch reicher, bevor der Stern der Fugger langsam zu sinken begann.
Aber gibt es die Fugger heute noch? Ja, die gibt es! Die Familie Fugger ist auch heute noch in Augsburg und Umgebung sehr bekannt. Zwar sind sie keine internationalen Bankiers mehr, die Kaisern Geld leihen, aber sie verwalten immer noch den Besitz der Familie. Dazu gehören Wälder, Immobilien und Ländereien.
Es gibt verschiedene Linien der Familie, zum Beispiel die "Fugger von Babenhausen" oder die "Fugger von Glött". Viele von ihnen tragen noch Adelstitel wie "Graf" oder "Fürst", auch wenn diese Titel heute in Deutschland keine politischen Rechte mehr bedeuten, sondern nur noch Teil des Namens sind.
Das Wichtigste, was die Familie heute macht, ist die Verwaltung der Stiftungen. Die Fuggerei wird nämlich nicht vom Staat bezahlt, sondern immer noch aus dem Vermögen der Fugger-Stiftung finanziert. Das bedeutet, dass die Nachfahren von Jakob Fugger immer noch dafür sorgen, dass sein Wille von vor 500 Jahren ausgeführt wird. Ein Seniorrat der Familie entscheidet über wichtige Dinge in der Fuggerei. Es ist faszinierend, dass eine Familie über so viele Jahrhunderte hinweg zusammenhält und ihr Erbe pflegt. Wenn du heute durch Augsburg läufst, kannst du sogar Mitglieder der Familie treffen – sie sind ganz normale Bürger, aber mit einer sehr, sehr langen Familiengeschichte.
Wo ist das Grab von Jakob Fugger?
Jakob Fugger starb am 30. Dezember 1525. Er wurde 66 Jahre alt, was für damalige Verhältnisse ein sehr stolzes Alter war. Da er so mächtig und reich war, wollte er natürlich nicht irgendwo beerdigt werden. Er wollte ein Grabmal, das zeigt, wie bedeutend er war.
Sein Grab befindet sich in der St. Anna Kirche in Augsburg. Das war damals eigentlich ungewöhnlich, denn die Fugger bauten dort eine eigene Grabkapelle, die sogenannte "Fuggerkapelle". Es gilt als eines der ersten Bauwerke der Renaissance in ganz Deutschland.
Wenn du die St. Anna Kirche besuchst, kannst du die Kapelle sehen. Sie ist sehr prunkvoll ausgestattet. Es gibt dort Gedenkplatten aus Marmor und Stein. Jakob Fugger liegt dort unter dem Boden begraben, zusammen mit seinen Brüdern Ulrich und Georg. Obwohl Jakob der Jüngste war, ist er derjenige, an den sich alle erinnern.
Das Spannende an der St. Anna Kirche ist heute auch, dass sie eine evangelische Kirche ist, die Fuggerkapelle darin aber katholisch blieb (da die Fugger ja streng katholisch waren). Das zeigt, wie kompliziert die Geschichte damals war, als sich die Kirche in evangelisch und katholisch spaltete. Jakob Fugger blieb seinem Glauben treu, aber sein Geld nahm er von jedem – egal welche Religion er hatte, solange das Geschäft stimmte.
Fazit: Ein Mann der Superlative
Jakob Fugger war eine Person mit zwei Gesichtern. Auf der einen Seite war er ein rücksichtsloser Kapitalist. Er wollte Macht, er wollte Monopole und er nutzte die Schwächen anderer aus, um reicher zu werden. Ohne ihn sähe die Landkarte Europas heute vielleicht anders aus, weil andere Könige ihre Kriege gewonnen hätten.
Auf der anderen Seite war er ein Visionär. Er förderte Kunst und Architektur. Und mit der Fuggerei schuf er etwas Soziales, das Jahrhunderte überdauerte. Er zeigte, dass man mit Geld nicht nur Prunk kaufen, sondern auch Menschen helfen kann – auch wenn sein Hintergedanke dabei sein eigenes Seelenheil war.
Wenn du also das nächste Mal 88 Cent in der Tasche hast, denk an Jakob Fugger. Für dieses Geld kannst du dir heute vielleicht nicht mal ein Eis kaufen, aber in der Fuggerei in Augsburg sichert es einem Menschen ein ganzes Jahr lang ein Zuhause. Das ist das wahre Vermächtnis von "Jakob dem Reichen". Er hat bewiesen, dass Taten – ob gute oder geschäftliche – viel länger leben können als der Mensch selbst.
FAQ – Häufige Fragen zu Jakob Fugger
War Jakob Fugger wirklich der reichste Mensch aller Zeiten? Viele Historiker sagen: Ja! Wenn man seinen Reichtum im Vergleich zur Wirtschaftskraft seiner Zeit berechnet, besaß er etwa 2 % des gesamten Vermögens in Europa. Umgerechnet auf heute wären das mehrere Hundert Milliarden Euro – mehr als die reichsten Tech-Milliardäre heute besitzen.
Kann ich die Fuggerei besuchen? Ja, auf jeden Fall! Die Fuggerei in Augsburg ist für Besucher geöffnet. Du musst Eintritt zahlen (mit dem Geld wird die Siedlung renoviert). Du kannst durch die Gassen laufen, ein Museum besuchen und es gibt sogar eine Schauwohnung, die zeigt, wie die Menschen früher und heute dort lebten. Bitte sei aber leise, denn dort wohnen ja echte Menschen!
Hatte Jakob Fugger Kinder? Nein, Jakob Fugger hatte keine eigenen Kinder. Er war verheiratet mit Sybille Artzt, aber die Ehe blieb kinderlos. Sein riesiges Vermögen und die Firma vererbte er an seine Neffen, vor allem an Anton Fugger, der das Unternehmen erfolgreich weiterführte.
Was ist die "Goldene Schreibstube"? Das war das Hauptquartier der Fugger in Augsburg. Da sie so reich waren, nannte man ihr Büro oft ehrfürchtig die "Goldene Schreibstube". Von dort aus steuerte Jakob sein weltweites Handelsnetzwerk, empfing Boten und diktierte Briefe an Kaiser und Könige.