Was ist das Darkweb? Eine Reise in die Tiefe des Internets
Stell dir vor, das Internet wäre ein riesiger Ozean. Wenn du surfst – also auf YouTube Videos schaust, für die Schule recherchierst oder mit Freunden chattest – dann bewegst du dich nur an der Oberfläche dieses Ozeans. Man nennt das auch das „Surface Web“ (Oberflächen-Web). Das ist der Teil, den jeder sehen kann und den Suchmaschinen wie Google ganz leicht finden. Das ist wie die Spitze eines Eisbergs, die aus dem Wasser ragt. Aber was liegt eigentlich unter der Wasseroberfläche?
Dort unten wird es dunkel und geheimnisvoll. Heute tauchen wir gemeinsam ab und schauen uns an, was es mit dem sogenannten „Darkweb“ (oder auch Darknet) auf sich hat. Du hast den Begriff bestimmt schon einmal in den Nachrichten gehört oder in einem Krimi gesehen. Oft wird darüber gesprochen, als wäre es ein rein böser Ort. Aber ist das wirklich so? Und wie funktioniert diese verborgene Welt eigentlich technisch? Keine Sorge, wir erklären es dir so, dass du kein Computer-Genie sein musst, um es zu verstehen.
Der Unterschied: Surface Web, Deep Web und Dark Web
Bevor wir uns das Darkweb genau ansehen, müssen wir einen wichtigen Unterschied verstehen. Viele Leute verwechseln nämlich das „Deep Web“ mit dem „Dark Web“. Dabei sind das zwei verschiedene Dinge, auch wenn sie beide unter der Wasseroberfläche unseres Internet-Ozeans liegen.
Das Deep Web (Das tiefe Netz):
Das Deep Web ist riesig. Viel größer als das normale Internet, das du kennst. Aber es ist gar nicht gruselig. Zum Deep Web gehören alle Seiten, die man nicht einfach so über Google finden kann, weil sie passwortgeschützt sind.
Stell dir vor, deine Schule hat ein Online-Portal, wo du deine Noten einsehen kannst. Um diese Seite zu sehen, musst du dich einloggen. Google kann diese Seite nicht lesen, weil sie privat ist. Auch die Datenbanken von Firmen, dein E-Mail-Postfach oder das Online-Banking deiner Eltern gehören zum Deep Web. Es ist also einfach der „private“ Bereich des Internets.
Das Dark Web (Das dunkle Netz):
Das Dark Web ist nur ein kleiner, versteckter Teil des Deep Webs. Es liegt ganz tief unten im Ozean. Um dorthin zu gelangen, reicht ein normaler Computer-Browser wie Chrome, Firefox oder Safari nicht aus. Die Türen zu diesem Bereich sind speziell verschlüsselt. Man braucht eine besondere Software, um sie zu öffnen. Am bekanntesten ist hier der „Tor-Browser“.
Wie funktioniert das Darknet technisch? Das Zwiebel-Prinzip
Vielleicht fragst du dich, warum man überhaupt eine spezielle Software braucht. Das liegt daran, wie das Darknet aufgebaut ist. Es wurde ursprünglich gar nicht für Verbrecher erfunden, sondern vom amerikanischen Militär, um geheime Nachrichten sicher zu verschicken.
Das Prinzip nennt man „Onion Routing“ (Zwiebel-Weiterleitung). Warum Zwiebel? Weil eine Zwiebel aus vielen Schichten besteht.
Wenn du im normalen Internet eine Webseite aufrufst, geht dein Signal meistens direkt von deinem Computer zum Computer der Webseite. Jeder kann sehen: „Aha, der Computer mit der Adresse XY besucht gerade diese Seite.“
Im Darknet ist das anders. Wenn du dort eine Seite aufrufst, wird dein Signal in viele Schichten verpackt – wie eine Zwiebel. Dein Signal springt dann über viele verschiedene Computer auf der ganzen Welt. Von Deutschland nach Australien, von dort nach Kanada und dann nach Japan, bevor es am Ziel ankommt. Bei jedem Sprung wird eine Schicht der „Zwiebel“ abgepellt. Der Computer in Japan weiß nur, dass das Signal aus Kanada kam, aber er hat keine Ahnung, dass du in Deutschland eigentlich den Befehl gegeben hast. Das macht die Nutzer im Darknet fast unsichtbar und anonym.
Aber Anonymität hat zwei Seiten. Sie kann Menschen schützen, sie kann aber auch ausgenutzt werden. Und genau hier kommen wir zu einer der wichtigsten Fragen, die sich viele stellen.
Ist es illegal, im Dark Web zu sein?
Diese Frage ist gar nicht so einfach mit einem klaren „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten, deshalb schauen wir uns das genau an. Grundsätzlich ist der Besuch des Darknets oder die Nutzung des Tor-Browsers nicht verboten. In Deutschland und den meisten anderen demokratischen Ländern darfst du Software benutzen, die dich anonym macht. Es ist nicht illegal, eine Maske zu besitzen, aber es kommt darauf an, was du mit der Maske machst.
Es gibt nämlich durchaus gute Gründe für das Darknet. Stell dir vor, du lebst in einem Land, in dem der Diktator oder die Regierung das Internet streng zensiert. Dort dürfen die Menschen vielleicht keine Nachrichten aus dem Ausland lesen oder ihre Meinung nicht frei sagen, ohne ins Gefängnis zu kommen. Für Journalisten (Reporter) und politische Aktivisten in solchen Ländern ist das Darknet oft die einzige Möglichkeit, sicher miteinander zu kommunizieren und der Welt zu berichten, was in ihrem Land wirklich passiert. Für diese Menschen ist die Anonymität des Darknets ein lebenswichtiger Schutzschild. Auch Whistleblower (Menschen, die Skandale aufdecken) nutzen diese Wege, um Beweise an Zeitungen zu schicken, ohne erkannt zu werden.
Aber:
Weil man im Darknet so schwer zu erkennen ist, nutzen es natürlich auch Kriminelle. Und hier wird es problematisch. Wenn man das Darknet nutzt, um verbotene Dinge zu kaufen (wie Waffen, Drogen oder gestohlene Dinge) oder um schlimme Bilder zu tauschen, dann ist das natürlich streng illegal.
Das bedeutet: Der Ort selbst (das Darknet) ist nicht illegal, aber viele Handlungen, die dort stattfinden, sind es.
Für Kinder und Jugendliche ist das Darknet trotzdem kein Ort zum Spielen. Es gibt dort keine Filter und keinen Jugendschutz. Man kann sehr schnell auf Inhalte stoßen, die verstörend, grausam oder für Kinder absolut ungeeignet sind. Einmal gesehen, kriegt man solche Bilder nicht mehr aus dem Kopf. Deshalb gilt: Nur weil es nicht verboten ist, dort zu sein, heißt es noch lange nicht, dass es eine gute Idee ist, sich dort aufzuhalten.
Die Währung des Darknets
In dieser verborgenen Welt bezahlt natürlich niemand mit Überweisung oder Kreditkarte. Das würde ja Spuren hinterlassen, die direkt zu einem führen. Stattdessen werden sogenannte Kryptowährungen genutzt. Die bekannteste davon ist Bitcoin.
Kryptowährungen sind digitales Geld. Man kann Zahlungen senden, ohne seinen Namen angeben zu müssen. Das macht es für Kriminelle sehr attraktiv, dort Geschäfte zu machen. Allerdings haben Polizei und Behörden mittlerweile gelernt, auch diese Zahlungswege teilweise nachzuverfolgen, aber es bleibt viel schwieriger als bei einem normalen Bankkonto.
Ein großer Teil des Handels im Darknet dreht sich aber gar nicht um Waren, die man anfassen kann, sondern um Informationen. Und das betrifft vielleicht sogar dich, auch wenn du noch nie im Darknet warst.
Was bedeutet es, wenn sich Deine Daten im Darknet befinden?
Du hast sicher schon oft gehört, dass du auf deine Daten aufpassen sollst. Aber warum eigentlich? Was wollen Hacker mit deiner E-Mail-Adresse oder deinem Passwort?
Hacker greifen oft große Firmen, soziale Netzwerke oder Online-Shops an. Wenn sie erfolgreich sind, stehlen sie riesige Listen mit Benutzernamen, E-Mail-Adressen und Passwörtern. Diese Listen nennt man „Data Leaks“ (Daten-Lecks).
Und jetzt kommt das Darknet ins Spiel: Die Hacker behalten diese Daten oft nicht für sich. Sie bieten sie im Darknet auf speziellen Marktplätzen zum Verkauf an. Andere Kriminelle kaufen diese Listen dann.
Wenn sich „deine Daten im Darknet befinden“, heißt das meistens, dass deine E-Mail-Adresse und ein Passwort, das du mal irgendwo verwendet hast, auf so einer Liste stehen und verkauft werden.
Was kann dann passieren?
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Account-Diebstahl: Wenn du für TikTok, Instagram, dein E-Mail-Postfach und dein Online-Spiel überall das gleiche Passwort benutzt (was du niemals tun solltest!), dann haben die Käufer dieser Daten plötzlich Zugriff auf alle deine Konten. Sie können sich als dich ausgeben, Nachrichten schreiben oder deine Spielstände löschen.
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Identitätsdiebstahl: Wenn noch mehr Daten dabei sind (wie deine Adresse oder dein Geburtsdatum), können Kriminelle in deinem Namen Dinge bestellen. Die Rechnung kommt dann zu dir, aber die Ware geht an die Diebe.
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Spam und Phishing: Oft werden die Daten auch einfach gekauft, um dir tausende Werbe-Mails zu schicken oder um zu versuchen, dich mit gefälschten Links reinzulegen.
Deshalb ist es so extrem wichtig, für jeden Dienst ein anderes Passwort zu benutzen. Wenn dann eine Seite gehackt wird und das Passwort im Darknet landet, sind deine anderen Konten immer noch sicher. Es gibt Webseiten (im normalen Internet), auf denen deine Eltern prüfen können, ob ihre E-Mail-Adresse schon mal in so einem Datensatz im Darknet aufgetaucht ist.
Die Polizei im digitalen Untergrund
Jetzt fragst du dich vielleicht: Wenn das Darknet so voll von Kriminellen ist und dort gestohlene Daten verkauft werden, warum macht die Polizei das nicht einfach zu? Warum schaltet man es nicht einfach ab?
Das Problem ist, dass das Darknet kein einzelner Computer ist, den man einfach ausschalten kann. Es ist ein Netzwerk aus tausenden von Computern weltweit. Wenn die Polizei einen Server beschlagnahmt, poppen woanders zwei neue auf.
Kann das Darknet überwacht werden?
Das ist eine der spannendsten Fragen in der Welt der Cyber-Sicherheit. Die kurze Antwort lautet: Ja und Nein.
Wie wir gelernt haben, ist das Darknet so gebaut, dass es Nutzer anonym hält. Das macht eine klassische Überwachung sehr schwer. Die Polizei kann nicht einfach „mithören“, wie bei einem Telefonat. Die Verschlüsselung ist mathematisch so kompliziert, dass selbst Supercomputer Jahre bräuchten, um sie zu knacken.
Aber die Polizei ist auch nicht dumm. Es gibt spezielle Einheiten, die „Cyber-Cops“. Sie nutzen Tricks, um Kriminelle trotzdem zu fangen:
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Fehler der Kriminellen: Auch Verbrecher sind nur Menschen. Manchmal machen sie Fehler. Sie verraten aus Versehen ihren echten Namen in einem Chat, nutzen eine unsichere Verbindung oder prahlen mit ihren Taten. Darauf warten die Ermittler.
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Honeypots (Honigtöpfe): Manchmal erstellt die Polizei selbst eine Webseite im Darknet, die aussieht wie ein illegaler Marktplatz. Sie warten dann wie eine Spinne im Netz. Wenn Kriminelle dort einkaufen oder verkaufen wollen, sammelt die Polizei Beweise und schlägt zu.
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Undercover-Einsätze: Polizisten geben sich im Darknet als Käufer oder Verkäufer aus. Sie bauen über Monate Vertrauen zu den Anführern von kriminellen Banden auf, um an Informationen zu kommen.
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Internationale Zusammenarbeit: Da das Internet keine Grenzen kennt, arbeiten Polizisten aus Deutschland, den USA (wie das FBI) und vielen anderen Ländern eng zusammen. Wenn sie ihre Puzzleteile zusammenlegen, können sie oft auch die anonymen Hintermänner enttarnen.
Es ist also ein ständiges Katz-und-Maus-Spiel. Das Darknet kann nicht lückenlos überwacht werden wie eine Straße mit Videokameras, aber es ist auch kein absolut sicherer Raum für Verbrecher. Immer wieder gelingt es den Behörden, große illegale Marktplätze vom Netz zu nehmen und die Betreiber zu verhaften.
Fazit: Faszination und Vorsicht
Das Darkweb ist ein faszinierender, aber auch gefährlicher Teil der digitalen Welt. Es zeigt uns, was technisch möglich ist – wie man Daten verstecken und anonym kommunizieren kann. Das ist für die Freiheit von Menschen in Diktaturen ein Segen. Aber die Schattenseiten sind groß, weil genau diese Technik auch für Verbrechen genutzt wird.
Für dich als Nutzer im Alter von 10 bis 14 Jahren ist das wichtigste Wissen über das Darkweb nicht, wie man hineinkommt, sondern wie man sich davor schützt, dass die eigenen Daten dort landen.
Deine Sicherheits-Checkliste:
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Nutze starke Passwörter (lang, mit Zahlen und Sonderzeichen).
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Verwende nie dasselbe Passwort für verschiedene Seiten.
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Aktiviere, wenn es geht, die Zwei-Faktor-Authentifizierung (das ist, wenn man beim Einloggen noch einen Code aufs Handy bekommt).
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Klicke nicht auf komische Links in E-Mails.
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Halte deinen Computer und dein Handy mit Updates immer auf dem neuesten Stand.
Das Darkweb mag wie ein Abenteuer klingen, aber es ist ein Abenteuer, auf das man gut verzichten kann. Bleib lieber im Licht des Surface Webs – dort gibt es auch mehr als genug zu entdecken, und das ist deutlich sicherer!
FAQ – Häufige Fragen zum Darkweb
1. Kann ich aus Versehen ins Darkweb kommen?
Nein, das ist fast unmöglich. Du brauchst dafür eine spezielle Software (wie den Tor-Browser) und musst diesen erst herunterladen und installieren. Mit deinem normalen Browser (Chrome, Edge, Safari) landest du nicht einfach so auf einer Darknet-Seite, da diese Adressen anders enden (meistens auf .onion).
2. Ist der Tor-Browser gefährlich?
Der Browser an sich ist nicht gefährlich. Er ist nur ein Werkzeug. Viele Leute nutzen ihn auch im normalen Internet, einfach nur, damit Google oder Werbefirmen sie nicht tracken (verfolgen) können. Aber er öffnet eben auch die Tür zu gefährlichen Inhalten, deshalb sollten Kinder ihn nicht ohne Aufsicht nutzen.
3. Wissen meine Eltern, wenn meine Daten im Darknet sind?
Nicht automatisch. Niemand bekommt eine Nachricht, wenn Daten gestohlen werden. Aber es gibt Webseiten wie den „Identity Leak Checker“ vom Hasso-Plattner-Institut. Dort können deine Eltern ihre E-Mail-Adresse eingeben und prüfen lassen, ob sie in bekannten Diebstählen aufgetaucht ist.
4. Wer hat das Darknet erfunden?
Die Grundtechnik (das Onion Routing) wurde in den 1990er Jahren von Forschern des US-Militärs (US Naval Research Laboratory) entwickelt. Sie wollten damit ihre eigene Kommunikation schützen. Später wurde die Software veröffentlicht, damit alle sie nutzen können – und so entstand das heutige Darknet.
5. Gibt es im Darknet auch normale Seiten?
Ja, tatsächlich! Es gibt auch im Darknet ganz normale Foren, Blogs oder sogar eine Version von Facebook und Nachrichtenseiten wie der New York Times. Diese Seiten nutzen das Darknet, damit Menschen aus Ländern mit Zensur sie sicher erreichen können. Aber die Mehrheit der Inhalte im Darknet ist eher dubios oder illegal.