Warum ist das Meer salzig?
Kennst du das? Du bist am Strand, springst fröhlich in die Wellen, und plötzlich schwappt dir eine Welle mitten ins Gesicht. Schnell hast du einen Schluck Meerwasser im Mund – und spuckst ihn sofort wieder aus. Bäh, total salzig! Genau in diesem Moment fragt man sich: Wer hat das Meer eigentlich gesalzen? Steht da irgendwo ein Riese mit einem gigantischen Salzstreuer?
Natürlich nicht. Und trotzdem stecken in den Weltmeeren unvorstellbare Mengen Salz. Warum ist das Meer salzig? Das ist eine der Fragen, die Hanna ihrem Papa gestellt hat – und die Antwort ist eine spannende Reise, die beim Regen beginnt, über Flüsse und Vulkane führt und bei einem See endet, in dem man einfach nicht untergehen kann. Los geht's!
Woher kommt das Salz im Meer?
Um das Rätsel zu lösen, müssen wir zuerst herausfinden, wo das Salz überhaupt herkommt. Und die Antwort überrascht viele: Salz steckt überall in unserer Welt, sogar im Boden direkt unter deinen Füßen. In Steinen, in der Erde und im Gestein sind winzige Mengen Salz versteckt. Man kann es weder sehen noch schmecken – aber es ist da.
Jetzt kommt der Regen ins Spiel. Wenn es regnet, sickern die Regentropfen in den Boden und über die Steine. Dabei lösen sie ein kleines bisschen von diesem Salz heraus und nehmen es mit. Dieses Wasser sammelt sich in Rinnsalen, dann in Bächen und schließlich in großen Flüssen. Und wohin fließen alle Flüsse am Ende? Genau, ins Meer. Auf ihrem langen Weg schleppen sie ständig ein wenig Salz mit sich. Jeder einzelne Fluss trägt nur eine winzige Menge – aber es gibt unzählige Flüsse, und sie tun das seit vielen Millionen Jahren, Tag und Nacht. So sammeln sich mit der Zeit gewaltige Mengen Salz im Meer an.
Die Flüsse sind aber nicht die einzige Salzquelle. Tief unten am Meeresboden gibt es Vulkane und heiße Quellen. Wenn dort flüssige Lava austritt oder heißes Wasser aus dem Boden strömt, lösen sich ebenfalls Salze und mischen sich ins Meerwasser. Das Meer bekommt sein Salz also gleich von zwei Seiten: von oben durch die Flüsse und von unten durch die Vulkane am Meeresgrund.
Übrigens: Das wichtigste Salz im Meer heißt Natriumchlorid. Das ist genau dasselbe Salz, das bei euch zu Hause im Salzstreuer steckt und das Papa übers Essen streut. Das Meer ist also im Grunde eine riesige, salzige Suppe.
Warum ist das Meer salzig, Flüsse aber nicht?
Jetzt wirst du vielleicht stutzig. Wenn die Flüsse doch das Salz ins Meer tragen – warum schmecken dann Flüsse und Seen gar nicht salzig? Das ist eine richtig clevere Frage, und die Antwort ist ein bisschen überraschend: Auch in Flüssen ist ein winziges bisschen Salz enthalten! Es ist nur so wenig, dass deine Zunge es überhaupt nicht bemerkt. Man nennt Flusswasser deshalb „Süßwasser" – aber nicht, weil es süß wie Zucker wäre, sondern einfach als Gegenteil von „Salzwasser".
Warum sammelt sich das Salz dann ausgerechnet im Meer so stark an? Dafür gibt es zwei Gründe. Der erste ist die Sonne. Sie scheint auf das Meer, und dabei verdunstet ein Teil des Wassers – es steigt als unsichtbarer Wasserdampf nach oben und wird später zu Wolken. Aber jetzt kommt der Trick: Das Salz kann nicht verdunsten. Es bleibt im Meer zurück. Das Wasser verschwindet, das Salz bleibt da. Und so wird das Meerwasser Stück für Stück salziger.
Der zweite Grund: Das Meer hat keinen Abfluss. Stell dir deine Badewanne vor – bei der kannst du den Stöpsel ziehen, und das Wasser läuft ab. Beim Meer gibt es keinen Stöpsel. Alles Salz, das einmal drin ist, bleibt drin und sammelt sich über Milliarden von Jahren an. Deshalb sagt man auch: Das Meer ist ein riesiger Salzspeicher. In Flüssen dagegen fließt das Wasser ständig weiter und wird durch neuen Regen immer wieder „aufgefrischt" – deshalb kann sich das Salz dort nie so stark anhäufen.
Damit du dir vorstellen kannst, wie viel Salz tatsächlich im Meer steckt: In nur einem einzigen Liter Meerwasser sind ungefähr 35 Gramm Salz gelöst. Das sind etwa drei gehäufte Esslöffel! Kein Wunder, dass ein Schluck davon so kräftig schmeckt.
Und jetzt wird es richtig verrückt: Wenn man das gesamte Salz aus allen Weltmeeren herausnehmen und gleichmäßig über das ganze Land der Erde verteilen könnte, dann läge dort eine Salzschicht, die viele Dutzend Meter dick wäre – höher als ein ganzes Wohnhaus mit vielen Stockwerken. So unfassbar viel Salz haben die Flüsse und Vulkane über die vielen Millionen Jahre zusammengetragen. Wenn du das nächste Mal am Meer stehst und bis zum Horizont nur Wasser siehst, denk mal daran, wie viele Badewannen voll Salz da eigentlich vor dir liegen. Es ist eine Menge, die sich kaum jemand vorstellen kann.
Warum ist das Tote Meer so salzig?
Nicht jedes Meer ist gleich salzig. Manche sind salziger, manche weniger – und das hängt davon ab, wie viel Wasser verdunstet und wie viele Flüsse frisches Süßwasser nachliefern. Die Ostsee zum Beispiel ist kaum salzig, weil viele Flüsse in sie hineinfließen und das Salz verdünnen. Das Mittelmeer dagegen ist deutlich salziger, weil dort in der Wärme viel Wasser verdunstet.
Den Rekord hält aber ein ganz besonderer Ort: das Tote Meer. Es liegt zwischen den Ländern Israel und Jordanien, und obwohl es „Meer" heißt, ist es eigentlich ein großer See. Dort ist es so heiß und trocken, dass riesige Mengen Wasser verdunsten – und weil kaum frisches Wasser nachkommt, bleibt extrem viel Salz zurück. Das Tote Meer ist ungefähr sechsmal so salzig wie ein normales Meer!
Diese Salzmengen sind so stark, dass dort keine Fische und fast keine Pflanzen leben können. Genau daher kommt der Name „Totes Meer". Aber es gibt auch etwas richtig Lustiges: Weil das viele Salz das Wasser sehr schwer macht, kannst du im Toten Meer gar nicht untergehen. Das Wasser trägt dich wie eine Luftmatratze. Menschen aus aller Welt reisen dorthin, legen sich einfach aufs Wasser und lesen dabei sogar Zeitung. Probier das mal in einem normalen Schwimmbad – da würdest du sofort absacken!
Wird das Meer eigentlich immer salziger?
Wenn ständig neues Salz ins Meer gespült wird und das Wasser verdunstet – müsste das Meer dann nicht irgendwann so salzig wie das Tote Meer werden? Diese Frage haben sich auch die Forscher gestellt. Die Antwort: Zum Glück nicht. Es kommt zwar immer neues Salz dazu, aber ein Teil wird auch wieder gebunden – zum Beispiel in Muscheln, in winzigen Meerestieren und im Gestein am Meeresboden. Über sehr lange Zeit hält sich beides ungefähr die Waage, und der Salzgehalt der großen Meere bleibt in etwa gleich.
Und weißt du was? Wir Menschen nutzen das salzige Meerwasser sogar aus. In warmen Ländern gibt es an den Küsten sogenannte Salzgärten – flache Becken, die mit Meerwasser gefüllt werden. Die Sonne lässt das Wasser verdunsten, und übrig bleibt reines, weißes Salz. Das ist genau dasselbe, was du manchmal auf deiner Haut siehst, wenn du nach dem Baden im Meer in der Sonne trocknest. Ein Teil des Salzes in eurem Salzstreuer hat also vielleicht eine lange Reise durchs Meer hinter sich.
Wenn dir also das nächste Mal am Strand eine Welle ins Gesicht schwappt, weißt du jetzt Bescheid: Dieses Salz war zuerst in Steinen versteckt, ist mit dem Regen und den Flüssen ins Meer gereist und hat dort über Millionen von Jahren gewartet – nur um jetzt in deinem Mund zu landen.
Häufige Fragen
Woher kommt das Salz im Meer?
Der Regen löst winzige Mengen Salz aus Steinen und Boden. Flüsse tragen dieses Salz über lange Zeit ins Meer. Dazu kommt Salz von Vulkanen am Meeresboden. Weil das Wasser verdunstet und das Salz zurückbleibt, sammelt es sich im Meer an.
Wie viel Salz ist in einem Liter Meerwasser?
Ungefähr 35 Gramm – das sind etwa drei gehäufte Esslöffel pro Liter. Der Salzgehalt der großen Meere liegt bei rund 3,5 Prozent.
Warum sind Flüsse nicht salzig?
Sie sind es ein ganz kleines bisschen, aber viel zu wenig zum Schmecken. In Flüssen fließt das Wasser ständig weiter und wird durch Regen aufgefrischt, deshalb kann sich das Salz dort nicht anhäufen wie im Meer.
Warum kann man im Toten Meer nicht untergehen?
Weil das Wasser dort so viel Salz enthält, ist es viel schwerer als normales Wasser. Dieses schwere Salzwasser trägt deinen Körper nach oben – du schwimmst wie auf einer Luftmatratze.
Kann man Meerwasser trinken?
Besser nicht. Meerwasser ist so salzig, dass dein Körper das viele Salz nicht verarbeiten kann. Statt den Durst zu löschen, macht es dich sogar noch durstiger. Trinkwasser sollte immer Süßwasser sein.