Gibt es auf der Erde unsterbliches Leben?
"Papa, müssen eigentlich alle Lebewesen sterben?" Diese Frage hat Hanna ihrem Papa gestellt – und die Antwort ist überraschender, als du denkst. Denn auf der Erde gibt es tatsächlich Tiere, die dem Tod ein Schnippchen schlagen. Eine winzige Qualle kann sich immer wieder verjüngen, als hätte sie einen Reset-Knopf. Und das berühmte Bärtierchen überlebt sogar eine Reise ins Weltall. Bedeutet das, dass es unsterbliches Leben gibt? Lass uns gemeinsam herausfinden, was wirklich dahintersteckt – und warum wir Menschen leider nicht zu den ewigen Lebewesen gehören.
Welche Tiere sind unsterblich?
Wenn wir von "unsterblich" reden, meinen wir nicht, dass ein Tier überhaupt nicht sterben kann. Niemand auf der Erde ist wirklich komplett unkaputtbar. Gemeint ist etwas anderes: Manche Tiere altern nicht so wie wir. Sie werden nicht müde, grau und schwach, bis ihr Körper irgendwann aufgibt. Stattdessen können sie sich immer wieder selbst erneuern.
Ein gutes Beispiel ist der Süßwasserpolyp, auch Hydra genannt. Er ist nur etwa zweieinhalb Zentimeter groß und lebt in Teichen. Sein Trick heißt Stammzelle. Stammzellen sind so etwas wie Bausteine, aus denen alle anderen Körperteile entstehen können – Muskeln, Nerven, Haut. Der Süßwasserpolyp kann mit diesen Bausteinen seinen gesamten Körper immer wieder neu zusammensetzen. Alte Zellen werden einfach durch frische ersetzt. Theoretisch könnte er so für immer weiterleben.
Wir Menschen haben auch Stammzellen, aber leider nicht genug, um unseren ganzen Körper ständig zu erneuern. Bei uns passiert nämlich etwas anderes – und das schauen wir uns gleich noch genauer an. Doch zuerst lernst du die wohl berühmteste "Unsterbliche" der Tierwelt kennen.
Warum ist die Qualle Turritopsis unsterblich?
Die bekannteste Kandidatin für ewiges Leben ist eine winzige Qualle mit einem komplizierten Namen: Turritopsis dohrnii. Sie wird oft einfach "die unsterbliche Qualle" genannt. Ein Forscher entdeckte ihre Superkraft im Jahr 1999 eher durch Zufall im Mittelmeer.
Normalerweise läuft das Leben einer Qualle so ab: Aus einem winzigen Ei wird zuerst ein Polyp, der am Meeresboden festsitzt. Aus dem Polyp wächst dann die schwimmende Qualle, die wir kennen. Und am Ende stirbt sie – eigentlich.
Die Turritopsis macht es anders. Wenn sie alt wird oder verletzt ist, sinkt sie auf den Meeresboden und tut etwas Verblüffendes: Sie verwandelt sich zurück. Aus der erwachsenen Qualle wird wieder ein junger Polyp. Forscher nennen diesen Vorgang Transdifferenzierung. Stell dir vor, ein Schmetterling würde sich zurück in eine Raupe verwandeln – ungefähr so verrückt ist das. Danach beginnt das Leben von vorne. Die Qualle wird sozusagen zu ihrem eigenen Baby und kann diesen Trick theoretisch unendlich oft wiederholen.
Aber Achtung: "Unsterblich" heißt nicht "unbesiegbar". Die kleine Qualle steht bei vielen Fischen auf dem Speiseplan, und Stürme spülen viele an Land, wo sie austrocknen. Sie kann also durchaus sterben – sie muss nur nicht an Altersschwäche sterben. Genau das ist der entscheidende Unterschied: Sie kennt keinen Tod durch Altern.
Sind Bärtierchen wirklich unsterblich?
Jetzt kommen wir zu den kleinen Stars, von denen Hanna und Papa im Podcast erzählt haben: den Bärtierchen. Sie heißen auch Tardigraden oder Wasserbären und sehen aus wie winzige, tapsige Bären mit acht Beinen. Dabei sind sie meist kleiner als ein Millimeter – du brauchst ein Mikroskop, um sie zu sehen. Man findet sie fast überall: im Moos im Garten, in Pfützen, auf Baumrinde.
Bärtierchen sind die wohl zähesten Lebewesen der Welt. Forscher haben sie eingefroren, gekocht, unter enormen Druck gesetzt und sogar ins Weltall geschossen – und viele haben überlebt. Sie halten Temperaturen von minus 270 Grad bis über plus 150 Grad aus. Im Jahr 2007 schickten Wissenschaftler echte Bärtierchen mit einer Rakete ins All. Dort gibt es keine Luft, eisige Kälte und gefährliche Strahlung. Trotzdem kamen einige lebendig zurück. Manche Forscher meinen sogar: Wenn ein riesiger Asteroid die Menschheit auslöschen würde, würden die Bärtierchen einfach weiterleben.
Wie schaffen sie das? Ihr Geheimnis heißt Kryptobiose. Das Wort bedeutet "verborgenes Leben". Wenn es um sie herum zu trocken oder zu kalt wird, pressen die Bärtierchen fast das ganze Wasser aus ihrem Körper, ziehen ihre Beinchen ein und schrumpfen zu einer kleinen Kugel, dem sogenannten Tönnchen. In diesem Zustand fahren sie ihren Körper auf fast null herunter – wie ein Computer im Ruhemodus. Sie sind dann weder richtig tot noch richtig lebendig. Jahre oder sogar Jahrzehnte später, wenn es wieder feucht wird, wachen sie einfach auf und laufen weiter.
Aber sind sie deshalb unsterblich? Nein, nicht ganz. Ein aktives Bärtierchen lebt normalerweise nur ein bis zwei Jahre. Und es hat eine überraschende Schwäche: große Hitze. Wenn das Wasser um sie herum dauerhaft wärmer als etwa 38 Grad wird, sterben viele Bärtierchen schon innerhalb eines Tages. Sie sind also unglaubliche Überlebenskünstler – aber keine echten Unsterblichen.
Warum altern und sterben wir Menschen überhaupt?
Jetzt fragst du dich vielleicht: Wenn manche Tiere ihre Zellen einfach erneuern, warum können wir das nicht auch? Die Antwort steckt tief in unseren Zellen.
Dein Körper besteht aus Billionen winziger Zellen. Damit du wächst und Wunden heilen, teilen sich diese Zellen ständig: Aus einer Zelle werden zwei, aus zwei werden vier und so weiter. Aber jede Zelle kann sich nur eine bestimmte Anzahl an Malen teilen. Der Grund sind die sogenannten Telomere. Stell sie dir wie die kleinen Plastikkappen an deinen Schnürsenkeln vor, die das Ausfransen verhindern. Bei jeder Zellteilung werden diese Schutzkappen ein Stück kürzer. Irgendwann sind sie zu kurz, und die Zelle hört auf, sich zu teilen. Genau das ist einer der Gründe, warum wir altern.
Spannend ist: Forscher glauben, dass Altern gar kein Muss ist. Die allerersten Lebewesen auf der Erde, winzige Einzeller, haben sich einfach immer wieder geteilt und blieben dadurch quasi "jung". Erst als vor vielen Millionen Jahren größere Tiere mit vielen Zellen entstanden, kam das Altern dazu. Manche Wissenschaftler sagen sogar: Die Natur hätte das Altern auch weglassen können. Warum sie es bei uns nicht getan hat, erforschen Biologen bis heute.
Deshalb schauen sich Forscher die Bärtierchen, Quallen und Polypen so genau an. Sie hoffen, von ihnen zu lernen, wie man Zellen besser repariert. Vielleicht hilft das eines Tages, Krankheiten zu heilen. Ein ewiges Leben für Menschen wird daraus aber wohl trotzdem nicht – und das ist vielleicht auch gar nicht so schlimm.
Also, gibt es unsterbliches Leben auf der Erde? Die ehrliche Antwort von Papa lautet: fast. Es gibt Tiere, die nicht an Altersschwäche sterben müssen, wie die Turritopsis-Qualle und der Süßwasserpolyp. Und es gibt Überlebenskünstler wie die Bärtierchen, die beinahe jede Katastrophe überstehen. Komplett unbesiegbar ist aber keines von ihnen. Die Natur hat sich für jedes Lebewesen einen erstaunlichen Trick ausgedacht – und manche davon grenzen wirklich ans Wunderbare.
Häufige Fragen
Welches Tier ist wirklich unsterblich?
Am bekanntesten ist die Qualle Turritopsis dohrnii. Sie kann sich von einer erwachsenen Qualle wieder in einen jungen Polypen zurückverwandeln und so theoretisch immer weiterleben. Sterben kann sie trotzdem – zum Beispiel, wenn sie gefressen wird.
Können Bärtierchen im Weltall überleben?
Ja. Im Jahr 2007 reisten echte Bärtierchen ins All und einige kamen lebendig zurück. Sie überstehen dort Kälte, Strahlung und das luftleere Vakuum, indem sie in einen tiefen Ruhezustand fallen.
Sind Bärtierchen unsterblich?
Nein. Ein aktives Bärtierchen lebt meist nur ein bis zwei Jahre. Es ist aber extrem widerstandsfähig und kann jahrelang in einem todesähnlichen Ruhezustand überdauern.
Warum werden Menschen alt?
Unsere Zellen können sich nur begrenzt teilen. Bei jeder Teilung werden die Schutzkappen der Zellen, die Telomere, kürzer. Irgendwann stoppt die Teilung – und wir altern.
Kann man durch Tiere unsterblich werden?
Nein, aber Forscher lernen von Quallen und Bärtierchen, wie Zellen sich reparieren. Das könnte eines Tages helfen, Krankheiten zu behandeln.